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die geschichte des jazz

teil 5: fusion eröffnete dem jazz unendliche möglichkeiten, denn von da an waren stilgrenzen nahezu ausgeschaltet. allerdings wurde die musik auf dauer auch beliebig, denn der begriff der unendlichkeit wurde von vielen musikern oft zu lasten der spannung ausgedehnt, aus stil experimenten wurden nicht selten „stilergüsse“, die mit kaum erträglichen und eben unendlichen soli ausgefüllt wurden. abgesehen davon ist die fusion allerdings bis heute ein wichtiger baustein moderner musik und viele „exotische“ zitate bereichern den jazz auf platten und in konzerten, was eigentlich auch zwangsläufig ist - heute mehr, denn je. die globalisierung bringt halt nicht nur wirtschaftliche ergebnisse mit sich, die vielen menschen angst einflössen, sondern sie importiert auch reichhaltige musikalische errungenschaften, die moderne musik und damit auch den jazz stets bereichern und erneuern. in den sechzigern trugen aber nicht nur cool jazz, free jazz und fusion üppige blüten, es gab ein weiteres thema, daß sich im jazz niederschlug, die blackness.

 

blackness war kein vordergründig musikalisches element, sondern ausdruck des widerstands gegen die unterdrückung, entrechtung und gegen die rassentrennung in den usa, die sich insofern auch musikalisch äußerte, als daß die musik ein wichtiges sprachrohr der „schwarzen“ sache wurde und zusätzlich dadurch, daß schwarze musik wieder radikaler wurde. die konturen des jazz, des soul und funk wurden geschärft. musik war eine subtile waffe der black power. radikaler heißt, klarer, eindeutiger, weniger verspielt und künstlerisch, sondern auf das wesen beschrenkt und ohne umweg auf ein ziel zusteuernd, um noch eindringlicher zu werden. die blackness ist losgelöst von musik, denn der kampf um anerkennung der menschenrechte der schwarzen bevölkerung in amerika, die sich später auch auf europa und afrika ausdehnte, ist vielschichtig. es ist ein kampf, der viel bewegte, der andererseits vielen menschen das leben kostete. aus diesem aufbegehren entstanden natürlich auch styles, die sich sowohl äußerlich, aber auch durch eine bestimmte attitude ausdrückten: toughness und coolness waren ausdruck eines neuen selbstbewusstseins.

 

der vietnam krieg brachte viele steine des widerstands ins rollen, so auch den der schwarzen. der boxer muhammad ali brachte auf den punkt, was viele schwarze amerikaner dachten und fühlten: warum soll ich für ein land kämpfen, daß mir meine rechte raubt und das überleben erschwert, mich und meine leute unterdrückt? warum soll ich gegen ein volk kämpfen, mit dem wir keinen ärger haben? ali wurde der weltmeister titel aberkannt und er hatte komplettes boxverbot. martin luther king, schwarzer bürgerrechtler und liberaler, christlicher vorkämpfer der schwarzen, zog mit seiner gefolgschaft von mehr als hunderttausend leuten, schwarze und weiße, vor das weiße haus in washington d.c. und hielt eine rede, die in die geschichte eingegangen ist: „i have a dream…“. mit dieser demonstration des friedlichen widerstands hat sich ein neuer geist in amerika etabliert, den nicht nur die schwarzen zum ausdruck brachten, dem sich auch viele weiße anschlossen, ganz normale leute aus dem volk und intellektuelle liberale, allen voran die sängerin joan baez und der dirigent leonard bernstein. radikaler gingen die black panther ans werk. die black panther waren eine organisation radikaler schwarzer, die dem establishment und der weißen vorherrschaft den kampf ansagten. unterstützt wurden sie von den black muslims, der sogenannten nation of islam, deren berühmtestes sprachrohr malcolm x war. selbst der name von malcolm x war ein politisches statement. x steht für ein anonym. viele schwarze fühlten sich in amerika entwurzelt, denn aus ihrer heimat afrika wurden sie als sklaven losgerissen und ihrer kultur beraubt und in amerika konnten sie keine eigenständige, neue und nabhängige kultur entwickeln, im gegenteil. x ist auch ein ausdruck dafür, daß man sich weigerte, einen amerikanischen namen, also den namen seiner unterdrücker anzunehmen. ein sehr radikales, religiöses, aber auch politisches organ der nation of islam waren die five percenter. diese gruppe bildete im widerstand eine elite, denn sie weigerten sich vehement, liberale, ganzheitliche gesellschaftliche kompromisse einzugehen. sie wollten ihr recht, ihre nation, jetzt und für immer. sie wollten mit den schwarzen amerikanischen muslims, fünf prozent der amerikanischen gesamtbevöklerung, eine eigene black nation gründen, einen staat im staat. sie drehten den rassismus um, denn sie vertraten die meinung, daß alle weißen blauäugige teufel sind – blue eyed devils.



martin luther king wurde kurze zeit nach dieser sehr einflußreichen rede von weißen reaktionären erschossen. bis heute ist nicht endgültig geklärt, ob der ku klux klan, oder der cia für king`s ermordung verantwortlich sind. auch malcolm x distanzierte sich nach und nach von den radikalen thesen der nation of islam und deren vorsitzenden elijah muhammad, da er auf reisen durch die usa, nach asien und europa feststellte, daß weiße menschen nicht grundsätzlich teufel sind, sondern daß viele überall und auch in amerika einen liberalen geist verkörpern. auch malcolm x wurde erschossen. kurz vor einer rede, die er vor der nation of islam halten sollte, wurde er von bis heute unbekannten ermordet. es ist nicht geklärt, ob auch hier der cia in absprache mit elijah muhammad für den mord verantwortlich sind, wenngleich mittlerweile viele indizien darauf hinweisen. mitte der sechziger, nach den morden an king, x und auch john f. kennedy, der auf seine weise versuchte, die usa zu liberalisieren, wurde der protest immer lauter und stärker. überall gab es riots, vor allem in den schwazen ghettos in harlem, new york und southern central, los angeles. angst ging um in amerika und bürgerkriegs ähnliche zustände herrschten, denn die bewegung der schwarzen lieferte sich erbitterte kämpfe mit der polizei und der ku klux klan versuchte, die neue position der schwazen zu vernichten und demonstrierte stärke, räucherte schwarze kirchen und gemeindehäuser, geschäfte und kulturelle einrichtungen aus, brachte viele schwarze aktivisten um.

 

bei den olympischen spielen 1968 in mexico trugen bei einer siegerehrung zwei schwarze, amerikanische leichtathleten schwarze lederhandschuihe und streckten die rechte faust zum himmel. diese geste war der gruß der black panther. die atheleten wurden vom amerikanischen olympischen kommitee suspendiert, ihre medaillen wurden ihnen abgenommen. sechs jahre später, beim comeback kampf von muhamad ali, der in kinshasa / zaire stattfand, zum ersten mal, daß ein box wm kampf in afrika stattfand und der als rumble in the jungle in die geschichte einging, war alis gegner george foreman. ali und sein manager don king benutzten den kampf völlig zurecht als geste der schwarzen sache in der ganzen welt, da mit diesem event schwarze amerikaner zurück an ihre wurzeln in afrika reisten um der ganzen welt zu zeigen, daß hier die wiedervereinigung des afrikanischen geistes stattfinden sollte. george foreman, ebenfalls schwarzer amerikanischer boxer, damals weltmeister, ging als buhmann und als verlierer aus dem ring. während sich ali mit dem präsidenten von zaire, mobutu, unterhielt und den wert dieser veranstaltung emporhob und damit die herzen der afrikaner gewann, stieg foreman mit zwei wild gestikulierenden und kleffenden deutschen schäferhunden aus dem flugzeug, um stärke zu demonstrieren. viele afrikaner fühlten sich durch dieses verhalten verpönt und beleidigt, denn der deutsche schäferhund wurde ende des neunzehnten jahrhunderts von den soldaten der europäischen kolonialmächte eingesetzt, um afrikaner zu veränstigen, anzugreifen und zu vertreiben. der schäferhund ist in schwarz afrika ein symbol der unterdrückung. foreman hatte nach dieser odyssé viele monate starke depressionen und trat erst mehrere jahre später erneut in die öffentlichkeit. der film when we were kings ist eine sehr gute dokumentation über diese tage in afrika.

 

logisch, daß all das auch musikalische auswirkungen hatte. james brown schärfte das schwarze bewusstsein mit dem song i`m black and i`m proud. george clinton ging etwas humoristischer vor mit songs wie paint the white house black oder mit dem album chocolate city. viele jazz musiker nahmen mulimische namen an, was damit zusammen hing, daß der islam die größte religion afrikas war und ist. der free jazzer sun ra verfolgte die these, daß schwarze in amerika aliens sind, denn in amerika sind sie fremd und ihrer heimat afrika wurden sie entrissen, ihre kulturellen wurzeln haben sie verloren. also liegt das heil der schwarzen amerikaner im all: space ist he place. die last poets waren so etwas wie das rhythmische sprachrohr der schwarzen. sie spielten fast ausschliesslich percussive afrikanische musik und rappten geschichten, die im engen zusammenhang mit dem leben der schwarzen, deren problemen und deren kampf stand. insgesamt titelten viele jazz musiker ihre alben mit afrikanischen namen, zitaten oder slogans und bereicherten ihre musik mit afrikanischen instrumenten, rhythmen und melodien. die wohl wichtigsten alben dieser bewegung sind gil scott heron`s revolution will not be televised, das album blacknuss des blinden saxofonisten roland kirk, der es fertig brachte, gleichzeit mit zwei bis drei saxofonen zu spielen, john coltrane`s africa brass, archie shepp`s attica blues, pharoa sander`s sehr afrika lastiges thembi, the second movement von les mc cann und eddie harris und natürlich viele mehr. in den siebzigern wurde blackness insgesamt sehr hip und trug viele kulturelle blüten. die mode war voll von zitaten schwarzen amerikanischen stils, schriftsteller wie chester hymes schrieben mit ihren harlem- krimis bestseller, der schwarze detektiv john shaft wurde weltberühmt und spätestens seit den späten siebzigern, als hip hop die welt eroberte, ist blackness ein wichtiger teil moderner weltkultur. das heißt jedoch nicht, daß die schwarze sache in amerika erfolg hatte und abgeschlossen ist. ...

 

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