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die geschichte des jazz

teil 2: im new york der vierziger jahre erreichte der be bop also seine ersten „dramatischen“ höhepunkte. in „minton’s palace“ in harlem ging nacht für nacht die post ab. das minton's war so etwas wie die kathedrale des jazz. die schwarzen leute blieben weitestgehend unter sich, auch, weil sich viele „hipster touristen“ und journalisten, ebenso wie die new yorker kultur schickeria, nicht so ohne weiteres nach harlem trauten. aus diesem grund gab es mehrere bars und clubs in der 52. strasse, „the street“, wo jeder jazzliebhaber ein und aus gehen konnte. neben den musikern wie miles, bird, diz und trane gab es noch jede menge anderer helden: bud powell, monk, max roach, art blakey, mingus, dexter gordon … um nur die berühmtesten zu nennen. der be bop wurde permanent härter, schneller und auch komplizierter, schwieriger zu spielen. sinn dieses spektakels war, musiker, die vorgaben, spielen zu können, obwohl sie scheinbar nicht viel drauf hatten, von den coolen, atemberaubenden sessions fern zu halten. überall in amerika spielten jetzt jazz bands in den bars und clubs und trugen das neue, wilde soundgefüge hinaus in andere metropolen und auch in die provinz hauptsächlich rund um new orleans und st. louis, wo der jazz seine wurzeln hat. man nannte den neuen sound hard bop, auch um klarzumachen, dass die stile des jazz in permanenter bewegung waren.

 

als die hochzeit des be bop und des hard bop langsam verebbte und sich viele musiker nach entspannteren tönen umhörten, machte eine kleine gruppe von musikern mitte der fünfziger jahre mit einem sound auf sich aufmerksam, der nicht nur viel ruhiger, als der bop war, obendrein auch klarer, offener, wenn man will, einfacher. während be bop und hard bop voller noten, rhythmus- und harmoniewechsel steckte, so war das neue ding, der cool jazz fast minimalistisch. man reduzierte die musik auf das aller wesentlichste, holte aus jeder note, jedem beat das höchstmögliche heraus und beförderte die pause, den break, zu einem wichtigen, musikalischen stilmittel. die treibende kraft des cool jazz war der weisse bariton saxofonist gerry mulligan. andere musiker, die ebenfalls auf der suche nach neuen einflüssen waren, liessen sich von dieser hypnotischen spielweise des jazz inspirieren und stiegen in die bands ein. neben den bekanntan grössen wie miles davis (s. foto), coltrane und cannonball adderley auch der pianist bill evans und der composer, arrangeur und pianist gill evans. nachdem mulligan anfangs nicht sonderlich begeistert war, dass musiker wie miles die fronten wechselten und die klare, reine struktur des cool jazz mit ihren routinierten be bop klängen „verwässerten“, fühlten diese sich herausgefordert, sich auf das neue einzulassen, auch weil sie merkten, dass der cool jazz einen eigenen geist, eine eigene seele in sich trug. bill evans, miles und einige andere waren obendrein klassisch ausgebildete musiker und erkannten, dass es im cool jazz einige parallelen zur musik von prokoffiev, strawinsky und anderen gab. dadurch wurde die musik nicht theoretischer oder intellektueller, sie erhielt allerdings ein weiteres mosaik.



cool jazz ist vielleicht die art des jazz, der den größten anklang bei musikliebhabern aus allen lagern gab, mehr noch, als der swing, den zwar viele sehr schätzten wegen seiner songstrukturen und seiner meist positiven botschaft. und auch noch größer, weil reiner und ursprünglicher, als der fusion jazz, der aber erst in den späten sechzigern entstand. neben dem blues und damit verbunden dem rock’n’roll, später in der pop musik vielleicht dem house und techno, ist der cool jazz die reduzierteste und dadurch vielleicht spannendste musikart, die im zwanzigsten jahrhundert entstanden ist (persönliche überzeugung des schreibers).

 

die wichtigste platte des cool jazz, viele sagen, des jazz überhaupt, ist „kind of blue“ von miles davis. im gleichnamigen buch, das die platte aus allen nur denkbaren blickwinkeln beschreibt, steht eine passage, die das, was diese musik ausmacht, perfket beschreibt. der drummer der band spielte im opener „so what“ zur einleitung eines saxofonsolos nur einen einzigen kick auf dem becken und gab dem solo dadurch einen unglaublichen schub, einen schub, der so spürbar war, als hätte die komplette band das tempo erhört. ich habe mir diese passage danach öfter angehört und stellte fest, dass es stimmt. kein drum solo, keine tempoverschärfung, nichts weiter. lediglich ein einziger schlag auf dem becken genau zur rechten zeit und das stück erhielt einen wahnsinnigen drive. das ist das a und o dieser musik. jeder ton, jeder beat löst automatisch etwas aus. denn durch den platz, durch die pausen und langen, wenigen noten, die hier benutzt wurden, hat eben jeder ton einen enormen, auffälligen wert. mich erinnert das ein wenig an die philosophie chinas und japans.

 

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