
The Funky Lowlives - Somewhere Else Is Here (Modernsoul/Sony) Gary Danks und JK Whitehouse laden zu eine Wald- und Wiesenwanderung der besonderen Art ein. Nach zahlreichen Kollaborationen im breiten Downbeat/TripHop-Genre – u.a. mit Kruder & Dorfmeister und Stereo DeLuxe - sind sie nun bei Outer Recordings/Modernsoul gelandet und haben ihren Sound weiter präzisiert. Weniger TripHop, mehr epische Breite und Soundteppiche garniert mit eine Vielzahl and Folk und Blues Elementen. Hat etwas von Air und Zero 7, ist aber doch sehr eigen und erkennbar als Funky Lowlives. Dezent aber prägend kommen hier Streicher, Akkustik-Gitarre und Effekte zum Einsatz und schaffen eine dichte Atmosphäre, die man auf per Kopfhörer auf langen Spaziergängen genießen kann.
Sell & Snackman - Zuckerware (Ware) Wieder ein Debut auf Ware. Sell & Snackman kommen mit großem elektronischen Gefrickel daher. „Zuckerware“ lässt uns am süßen Schmerz der beiden teilhaben. Hier stapft und marschiert der Beat, die Tanzfläche kocht und das nervöse Gezirpse geht direkt ins Hirn, um Knoten in den Beinen zu verursachen. Klasse, oder um den 3. Track zu zitieren: die haben nicht nur einen, sondern „Zwei an der Waffel“. 






Rivera Rotation - Another Man/Malente Remix (Muto/Lounge/Intergroove) Pete Rivera aka Rivera Rotation hat sich für seine Track „Another Man“ Malente an Bord geholt. Und der hat nichts besseres zu tun, als ordentlich Kohlen nachzulegen, um hier einen druckvollen Ravetrack zu kreieren. Fette gebrochene Beats mit Gitarrenriffs prügeln ein auf den Dancefloor, yo! „M.K.“ von Rivera selbst ist ein klassischer deeper House Track, der es hier aber leider etwas schwer hat mitzuhalten.
Trickski/Julius Kammerl - Compost Black Label #01 (Compost/Groove Attack) Frischer Wind bei Compost. Nach Angora Steel (NY DiscoPunkFunk) hier nun Die neue Plattform für Club Tunes, DJ Tools, und experimentelle Grooves. Compost Black Label geht straight to the Dancefloor. Sehr ordentlich! Tricksi’s Tech-Jazz Ausflug fängt gemächlich gebrochen an, klingt wie Stereotype, bevor dann der 4/4 Takt die Keule schwingt, unter stützt von schrillen Sythi-Klängen. Julius Kammerl hat am Frauenhofer Institut gelernt eigene Sythesizer zu bauen. Diese Vorliebe findet sich hier in „Erlangen Süd“ wieder. Ein grobes, aber dennoch sehr schillerndes ElektroFunkSynthie-Monster. 
 |  | |
Ferenc - Fraximal (Kompakt) Techno kann manchmal wirklich schön sein. Das klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig in einer Zeitschrift wie dieser, aber doch, manchmal macht das richtig Spaß. Vor allem wenn man so ein Album wie dieses in der Hand hat! Das Debut von Ferenc macht wirklich Spaß. Die beiden Spanier Maxi Ruiz und Frau Soler, bekannt durch ihre 2003er Dancefloorbombe „Yes Sir, I can hardcore“, haben hier ein feines treibendes Album mit subtiler Soundauswahl geschaffen. Das ist mein Soundtrack für den Sommer. Hier hat man den Eindruck, als würde man auf einer guten alten Techno oder Goa-Party sein, aber dennoch klingt der Sound kein bisschen alt(modisch), sondern frisch und neu. Hier wird nicht einfach retro-esk eine Platte zusammengehauen, -geklaut, hier werden die letzten 15 Jahre verarbeitet und neue Sounds gezündet. Highlight ist sicher „Vinagreta“ mit den Volcals der Französin Jennifer Cardini. Ein Brett, schwer marschierend, bevor es im Bassdrum-losen Mittelteil gipfelt und der Sound sanft und scheinbar endlos ihre Stimme trägt. Eine große Platte für alle Lebenslagen, verspielt, druckvoll, hymnisch, Olé! 
 |  | |
John Tejada & Adrian Leviste - Back for Basics (Palette/Word and Sound) Tejadas Output ist beständig und zahlreich, wie er im gleichen Maße auch vielfältig ist. Ob Techno, House, Drum’n’Bass, Electronica oder US Post Punk, er saugt es auf und bedient bei allen Genres. Mit seinem musikalischen Alter Ego Arian Leviste erscheint nun das zweite gemeinsame Album auf seinem eigenen Label Palette. „Back For Basics“ geht zurück zu einfachen minimalen Arrangements, zurück zum Dancefloor. Nervös pluckernde Klickerklacker Töne tänzeln durch das ganze Album, mal eruptiv, mal sensibel und sehr schön zeitlos. Ein Statement, fernab von wiederkehrenden aufgetackelten und aufgewärmten Strömungen. „A timeless sort of thing in the current age of trends.“
Mambotur - Al Frente (Multicolor/Intergroove) Argentis Brito und Pier Bucci aus Chile haben inzwischen ihren Wohnsitz in Berlin und verschmelzen hier ihre musikalischen Wurzeln mit zeitgenössischen, elektronischen Klängen. Dabei gehen sie fast missionarisch mit ihrem Werk um und inszenieren diesen Brückenschlag als was besonderes. Leider kann ich dem nicht ganz folgen. Mabmboturs „Trans-Latino-Express“ ist ein Bummelbahn, zu beliebig und altbacken wirken ihre Kompositionen, da gibt es weitaus interessantere Kollaborationen mit südamerikanischer Musik. 
 |




 |


Mr. Roper - Looking for Roommates (Scheinselbständig/Kompakt) Coverversionen sind eigentlich gar nicht mein Fall. Wenn es dann auch noch die erste eigene Lieblingsband ist, der man immer noch zu großem Dank verpflichtet ist, dann ist man noch kritischer … Aber die Bearbeitung von The Smiths’ „Last night i dreamt that somebody loved me“ ist so verrückt und entrückt vom Original (so soll es sein), dass es richtig Spaß macht. Der gesäuselte Text im elektronischen Gewand kommt lasziv daher, der Remix von Ada ist noch gemeiner. Hier wird zusätzlich geleiert und gekrächzt. Fette, fette Party.
Jens Friebe - Nachher Bilder (Scheinselbständig/Kompakt) Jens Friebe auf 4/4 Takt funktioniert gut, die hier auf der Mini-LP versammelten Versionen machen das auf unterschiedliche Weise. Der „Becoming more like Rick Astley“-Remix von Gespenster klingt wirklich wie eine Stock, Aitken & Waterman Produktion, ein charmanter 80er Disco-Pop Track. Der gleiche Track von Daso bearbeitet mutiert zum hypnotischen Disco-House. Brezel Görings Ausflug wippt fröhlich auf und ab und die Bum Khun Cha Youth, Friebes ehemalige Mitstreiter, gehen schnell und minimal an die Sache heran. Hans Nieswandt zerrt an „Körper“ herum, nicht endende Loops plus Beats, während Drei Farben House das „Lied ohne Botschaft“ wie erwartet in einen straighten Track House verwandeln. Tres chic. |