Neulich in der Friedrich-Ebert-Straße: Ein Fotostudio wirbt mit einem Aufsteller „Bio-Fotos“. Ein älteres Ehepaar geht daran vorbei, der Mann mokiert sich „Datt muss aber auch alles jetzt bio sein, woll nich?“ In der Tat fällt es schwer, in dem momentanen Bio-Boom zu differenzieren, aber man muss es tun.
Autor: Nina Henkels
Dass biometrische Passfotos nicht aus kontrolliert biologischen Anbau stammen, ist zwar vielen klar. Aber ob man sich wirklich immer was Extragutes tut, wenn auf einem Produkt BIO drauf steht? Schließlich sind Bio-Waffen alles andere als gesundheitsfördernd ...
Doch genug gescherzt. Einer der Hauptgewinner des ganzen Bio-Booms ist sicherlich der Limonaden-Hersteller „Bionade“. Anfangs noch als Ökobrause belächelt, fanden sich schnell immer mehr Freunde für das fermentierte Getränk, Kinder, Muttis, Vatis, Omis, Opis und Szenemenschen. Gesund Durst löschen – mit 6 Würfeln Zucker, Aroma und erhöhtem Nickelgehalt? Die lobenden Mineralstoffangaben, die anfangs auf dem Label standen, mussten jedenfalls wieder gestrichen werden. Beim Öko-Test-Magazin schnitt die Brause auch nur mit befriedigend ab, im Gegensatz zu neun anderen Limos, die mit „sehr gut“ und „gut“ bewertet wurden.
Bionade indes klagte eifrig gegen vermeintliche Nachahmer, fing an, die Vertriebswege von Coca-Cola zu nutzen, ließ sich von McDonalds ins Programm aufnehmen und erhöhte erst vor kurzem drastisch seine Preise. Begründung: „Das Original muss immer am teuersten sein“ (Bionade-Chef Peter Kowalsky zur FAZ). Ob die Verbraucher bereit sind, mehr zu zahlen, ist fraglich, denn mittlerweile haben sich aber viele das fade Getränk eh leid getrunken und viel schmackhaftere nd gesündere Alternativen entdeckt… zum Beispiel die Bio-Zischs Litschi oder Himbeer-Cassis von Voelkel (ohne Zuckerzusatz, dafür mit richtigem Fruchtanteil!).
Einen echten Volltreffer landete das Wuppertaler FairHandelshaus GEPA mit ihrer Bio-Limo Orange. Die ist zwar eine richtige Limo, d.h. sie ist auch gesüßt (mit Rohrohrzucker) und nicht fermentiert, dafür besticht sie mit fruchtigem Orangen- und Limettensaftanteil, außerdem stammen die Zutaten aus fairem Handel, der Saft aus Brasilien, der Zucker aus Paraguay.
Im beatzundkekse, wo sie schon seit einiger Zeit erfolgreich auf der Karte seht, hat sie jetzt schon mehr Fans als einst die Bionade. Diese wird sich aber dort eh nicht mehr messen dürfen, da sie längst aus dem Programm genommen wurde. Auch eine Kola-Alternative hat die GEPA im Programm, „Guaranito“ mit natürlichem Koffein (Guarana aus dem brasilianischen Amazonasgebiet), eine Fitmacherbrause, die leicht malzig schmeckt!
Apropos Kola: Mit der beliebten Fritz-Kola, die sich deutschlandweit in Szenekneipen durchgesetzt hat und vor allem in der Wuppertaler Luisenstraße gerne getrunken wird, gibt es ein weiteres Beispiel dafür, dass das Original nicht immer das Beste sein muss. Viertelbar und beatzundkekse kommen jedenfalls auch gut ohne Coca-Cola, Pepsi und Co aus. Und wer sie vermisst, kann ja immer noch zu McDonalds gehen. Da gibt es dann auch Bionade …
Links:
www.gepa.de
www.voelkeljuice.de